Wie planen wir eine Reise?
Eine Gebrauchsanleitung zur Planung einer Rundreise
Zeit ist kostbar! Und gerade im Urlaub vergeht diese wie im Flug.
Wer sich auf dieser Seite bewegt, wird erkennen, dass wir von dem klassischen Urlaub nicht viel halten. Wir sind rastlos, neugierig und "immer unterwegs". Ein Grund mehr mit der Zeit zu haushalten.
Um die knapp bemessene Urlaubszeit möglichst effizient zu nutzen, legen wir auf die Vorbereitung sehr viel Wert (aber auch, weil es uns Spaß macht, sich mit dem Reiseziel zu beschäftigen. Träumen gehört einfach dazu). Bei der Vorbereitung bedienen wir uns aller möglichen Quellen. Internet, Reiseführer, Kartenmaterial und sonstige Erlebnisliteratur.
Man erkennt jedoch schnell, dass die inhaltlichen Gemeinsamkeiten/Überschneidungen unterschiedlicher Reiseführer sehr groß sind. Klar, die berühmten Highlights haben sie alle und so fehlt der Louvre in keinem Parisreiseführer und Pisa in keinem über die Toskana. Aber wer etwas Abseits vom Mainstream unterwegs sein möchte, wer das Ursprüngliche sucht, wer auch in der Hochsaison eher die ruhigen Plätze genießen will, der hat es schwer mit dem, was die bekannten Reiseführer so bieten.
Daher zählt für uns neben dem Lesen von Reiseführer die intensive Recherche zu den wesentlichen Vorbereitungen auf eine Reise. Das Internet leistet hier vortreffliche Dienste.
Die Frage nach Sehenswürdigkeiten muss beantwortet werden und es werden möglich Stell-, oder Campingplätze notwendig. Wir bedienen uns hier verschiedenster Instrumente. Google Earth oder OpenStreetMap sind nur zwei davon.
1.
Die Auswahl des richtigen Reiseziels ist ein ganz wichtiger Punkt. Gerade dann, wenn man die unterschiedlichsten Interessen einer 5-köpfigen Familie unter einen Hut bringen möchte. Wir haben hier vor vielen Jahren einmal die Entscheidung getroffen, dass in einem Jahr die Kinder und im anderen Jahr die erwachsenen das Ziel bestimmen. Das ging auch eine ganze Zeit gut, bis die Reiseziele der Restmannschaft utopische Züge angenommen hatten. "Malediven im *****-Sterne Hotel", Australien und Neuseeland und noch einiges mehr. Nicht nur dass der Kostenfaktor hier wesentliche zu Buche schlägt, sondern auch der Umstand, dass ein Hotelurlaub für mich ganz und gar nicht in Frage kommt, stellte den Ansatz einer abwechselnden Auswahl auf einen harten Prüfstand. Die Entscheidung treffen wir gemeinsam. Das ist zwar auch nicht immer einfach, aber es gelingt uns doch immer wieder durch ein geeignetes Motto zumindest für etwas Interesse zu sorgen. Mit zunehmendem Alter der Kids wird das wecken einer Begeisterung immer schwieriger, aber wir nehmen sie eng in den Planungsprozess mit auf. Heute versuchen in Bezug auf die Ausflugsziele mindestens alle 2 Tage ein Kindgerechtes Highlight zu setzen. Für uns geht es dabei darum die Vorfreude zu wecken und zu genießen.
2.
Zunächst geht es einmal an das "Durchwühlen" der unterschiedlichen Reiseführer - so man den bereits welch zum anvisierten Reiseziel hat - um sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Dabei kristallisieren sich erste Highlights heraus, die wir in eine Wunschliste aufnehmen. Hier überlegen wir uns auch stets ein Motto unter das wir die Reise stellen. Bzgl. Reiseliteratur hat jeder so seine Vorlieben. Wir finden die Reiseführer vom Baedecker, Reise Know How oder Müller sehr interessant, weil sie Umfangreich und detailliert zugleich sind. Andere Reiseführer wie z. B. die von Marco Polo empfinden wir als wenig informativ. Hier ist zwar meist alles angerissen aber außer eine Überschrift oftmals nicht wirklich verwertbar (das ist unser persönlicher Eindruck. Das darf natürlich jeder gerne anders sehen und handhaben)
3.
Beim Festlegung des Zeitfensters sind wir natürlich niemals gänzlich frei von irgend welchen Parametern. Die zur Verfügung stehende Zeit hat einen ganz wesentlichen Einfluss auf die Reiseplanung.
(Sind es 2 oder gar 3 Wochen?)
4.
Erster Check, ob die Wunschziele in dem vorgesehenen Zeitfenster überhaupt machbar sind. Schließlich wollen wir bei aller Rastlosigkeit die Zeit genießen und im nicht Urlaub hetzen. Daher die Kritische Frage: "Schaffen wir das Pensum zeitlich überhaupt?". Die Antwort kennen wir meisst im Voraus und sie lautet: Nein! Leider. Mann nimmt sich immer zu viel vor. Reduzieren ist angesagt, was leider nicht immer leicht fällt. Eine andere Alternative heißt auf mehrere Reisen zu verteilen.
Das Verteilen auf mehrere Reisen kann Ausgesprochen interessant werden. Bis heute waren wir 4 mal in der Toskana und haben dort jedesmal ein anderes Motto und konnten somit jedesmal andere Ecken des Landes kennen lernen.
Um den Überblick zu behalten, empfiehlt es sich die Wunschziele in einer Karte zu erfassen. Falls man sich auf die eigentliche Reise konzentrieren möchte ist Google Earth evtl. etwas umfangreich und überdimensioniert. Mit Stepmap habe ich indes gute Erfahrungen gesammelt.
5.
Jetzt bringen wir die Wunschziele auf eine Karte. Dabei helfen wir uns Google Earth und legen dort für jeden dieser Ziele einen POI an. Damit haben wir die erste noch sehr grobe Route und schätzen die zu bewältigende Strecke wieder grob ab. Dabei geht es uns wieder nur darum, sich zu fragen, ob die Strecke überhaupt zu bewältigen ist.
Ein außerordentlich wichtiger Punkt besteht darin Planungspuffer zu berücksichtigen. Dies erfolgt zum Einen dadurch, dass wir uns maximale Tagesetappen von 100 km vornehmen. Diese sind bequem in weniger als 2 Stunden zurückzulegen und zum Anderen an den Hauptzielen mindestens 2 Tage einplanen. Ob wir die dann nehmen, das steht auf einem gänzlich anderen Blatt. Vielleicht gefällt es uns wiedererwartend gar nicht so gut und fahren unmittelbar weiter und bleiben dafür an einer gänzlich anderen Stelle stehen. Wichtig ist aber, dass dieser Puffer zur Verfügung steht und man nicht Gefahr läuft, sich im Urlaub abzuhetzen.
6.
Als nächstes versuchen wir Stellplätze und Campingplätze in der Umgebung unserer Wunschziele zu identifizieren. Nicht dass wir diese bereits buchen. Nein, es geht uns lediglich darum zu wissen, dass es ein Stellplatz/Campingplatzangebot in der Umgebung gibt. Wo wir dann stehen entscheiden wir ohnehin kurzfristig. Auch bei der Stell- bzw. Campingplatzfrage behelfen wir uns Google Earh/Maps. Es gibt viele frei verfügbare Stellplatzdatenbanken, bei denen man sich die Liste in einem geeigneten Format (ovl, gpx, txt etc.) laden kann. In Google Earth eingespielt hat man einen wunderbaren Überblick darüber, was an Angeboten an der Strecke liegt. Hier habe ich ein paar Plätze für den Download bereit gestellt (Die Datei muss vor dem Einspielen in Google Earth noch entpackt werden):
7.
So, jetzt steht die Route - zumindest grob. Das was noch fehlt sind die vielen Kleinigkeiten entlang der Strecke. Vieles kann man aus Reiseberichten entnehmen, vieles aber auch über Link zu OpenStreetMap. Das macht die Planung ungemein einfach. Wenn wir also wissen wo wir uns aufhalten werden, genügt ein Blick auf jene Karte und wir erkennen sofort, welche weiteren Sehenswürdigkeiten sich in der näheren Umgebung befinden. Das ist natürlich nicht vollständig, aber ist eine prima Unterstützung.
Die Seite der Unesco (sie ist Gold wert) ist hier ebenfalls sehr hilfreich oder auch viele z. B. Landesspezifische wie z. B. für England die des National Trust. Auch hier erfassen wir die relevanten Ziele in Google Earth.
8.
Jetzt sind die Etappen zu "schneiden". Wie erwähnt vermeiden wir es mehr als 100 km an einem Tag zurück zu legen. Häufig ist es zwar nicht zu vermeiden, aber wir versuchen uns an diesen Parameter zu halten.
9.
Aus Punkt 7 folgt dann die ungefähre Tagesetappe (Abweichungen vom Plan gibt es immer und ist auch gewollt). Anhand dieser Etappen und unseren Erfahrungen bzgl. dem Freistehen, können wir nun auch festlegen wo wir auf Campingplatzen stehen möchten. Alle 3 Tage für 1-2 Nächte. Das ist ein Schnitt, den wir schon alleine wegen der Mädels einhalten möchten.
Das Ganze ist eher ein Prozess mit Schleifen und Entscheidungen als ein strenger Ablauf. Dinge, die einem auf den Ersten Blick als wichtig erscheinen können im Laufe der Planung durchaus an Bedeutung verlieren.
An diesen Plan halten wir uns natürlich NICHT sklavisch. Er ist vielmehr eine Richtschnur, die uns hilft all das unter einen Hut zu bekommen, was jeder von uns 5 von einem Urlaub erwartet. Bis jetzt mit Erfolg.
immer
unterwegs