Gastbeitrag: Wenn es mal keine Kurzreise sein soll

16. September 2017

von Anna

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Kurzreisen verschönern den Alltag, man kann einmal „ausbrechen“, etwas anderes sehen und erleben, ob es jetzt die Natur beim Wandern oder eine Stadt ist. Für einen kurzen Augenblick ist der Alltag vergessen und das kann sehr belebend sein, zumindest für mich. Wenn du aber darüber nachdenkst, dem Arbeitsalltag für längere Zeit Adé zu sagen, um die Welt zu sehen, dann könnte ein Sabbatical die richtige Lösung sein. Was das ist, welche Möglichkeiten du hast und worauf du achten musst, erfährst du nun in einem Gastbeitrag von Lydia, die sich genau jetzt auf Weltreise befindet.


Sabbatical - Wandern in den Bergen

Ab und zu ein Wochenendausflug und dann doch ein 2-3 Wochen Jahresurlaub. Deine Reise geht in ein fernes Land, vielleicht Thailand, Costa Rica oder nach Bali. Dort trifft du sie: Backpacker, von denen alle reden. Viele von ihnen sind schon seit Monaten unterwegs (einige sogar schon Jahre) und dich begeistert die Idee. Ein Jahr einfach nur reisen, ein Jahr Freiheit, ein Jahr tun und lassen was du willst – kein Job, keine Verpflichtungen.

Diese Idee schlummerte knapp ein Jahr lang, nach meiner Reise nach Thailand, in mir. Aber einfach den Job kündigen und los reisen – nein das war nichts für mich. Ich hatte Angst keinen vergleichbaren Job mehr zu finden. Also musste ich mich erst einmal mit Wochenendtrips und einem großen Urlaub in Jahr zufrieden geben. Aber die Idee von der Weltreise ließ mich nicht mehr los.

Ich suchte nach einer Lösung und fand sie schließlich auch: ein Sabbatical – eine Auszeit mit Rückkehrgarantie zum alten Job. Das klingt gut!

Was ist ein Sabbatical?

Eine Auszeit vom Job mit Rückkehrgarantie. Nach deiner Pause kehrst du in deinen alten Job zurück. Alles ist wie vor deiner Abreise. Gleicher Job, gleicher Arbeitsort, gleiches Gehalt.

Vielleicht geht es dir wie mir: deinen Job machst du ganz gern, du verdienst gutes Geld und dein Arbeitsweg ist angenehm kurz. Du willst deinen Job nicht aufgeben, aber irgendwie willst du auch länger vereisen. Mit einem Sabbatical nimmst du einen Auszeit vom Job für 1 Jahr, 6 Monate oder auch 2 Jahre und erfüllst dir deinen Traum. Danach geht es zurück in dein altes Leben, mit dem alten Job.

Sabbatical vs. Kündigung

Wieso sollte ich zwei Jahre sparen und warten um meine Auszeit vom Job zu nehmen? Welche Vorteile hat ein Sababtical und wie steht es mit der Rente? Was spricht für eine Kündigung und was für ein Sabbatical?

Vorteile eines Sababtical:

  • du hast eine Rückkehrgarantie für deinen alten Job. Alles ist wie vor deiner Reise.
  • du bekommst weiterhin Gehalt (je nach Modell, siehe unten)
  • du zahlst weiterhin in die Sozialversicherungen ein, wie Rente, Pflege- und Unfallversicherungen, gesetzliche Krankenversicherung für Deutschland (je nach Modell)
  • dir fehlen keine Jahre beim Rentenanspruch (je nach Modell)
  • du musst dir keine Sorgen machen nach deiner Rückkehr keinen Job zu finden

Nachteile eines Sabbatical:

  • Ansparphasen die mehrere Jahre dauern können (je nach Modell)
  • du musst deinen Chef um Erlaubnis bitten und hast keinen Anspruch auf ein Sabbatical
  • dein Chef kann deine Auszeit ablehnen
  • du behältst deinen alten Job und hast keinen „Neuanfang“ nach deiner Auszeit
  • dein Arbeitgeber kann dir verbieten während deiner Auszeit wo anders zu arbeiten (z.B. Work and Travel)

Vorteile einer Kündigung:

  • du kannst selbst bestimmen wann du deine Reise antrittst und bist nicht abhängig von deinem Arbeitgeber
  • du musst vorab keine Ansparphasen durchlaufen bzw. kannst dich an deinen eigenen Plan halten
  • du musst deinen Arbeitgeber nicht um Erlaubnis bitten
  • dir kann keiner deine Reise verbieten
  • du kannst nach deiner Auszeit einen neuen Job suchen, studieren, eine neue Lehre beginnen, schlichtweg einen Neuanfang wagen
  • du kannst dir einen besseren Arbeitgeber suchen und mehr verdienen als vor deiner Auszeit

Nachteile einer Kündigung:

  • du bist während deiner Seite nicht sozialversichert
  • du zahlst nicht weiterhin in die Rente ein
  • du kannst zwar freiwillig in die gesetzliche Krankversicherung, Rente, Pflegeversicherung und Unfallversicherung einzahlen, aber wären hohe Beitragssätze
  • du hast keinen Anspruch auf deine frühere Arbeit
  • du könntest nach deiner Rückkehr keinen vergleichbaren Job finden und weniger verdienen
  • du suchst ggf. lang nach deiner Rückkehr erfolglos nach einer neuen Arbeit

Welche Modelle gibt es für ein Sabbatical?

Es gibt zahlreiche Modelle für deine Auszeit. Die beiden beliebtesten Möglichkeiten stelle ich dir vor. Sie könnten allerdings unterschiedlicher kaum sein.

Teil-Zeit-Modell:

Bei dieser Variante gibt es 2 Phasen: die Zeit in der du ansparst und deine Freistellung, also dein Sabbatical. Zum
Beispiel, du gehst zwei Jahre Vollzeit arbeiten, aber bekommst nur 2/3 deines Gehalts ausgezahlt. Das dritte Jahr wirst du komplett freigestellt und bekommst weiterhin 2/3 deines Gehaltes, da du vorab in Vorleistung gegangen bist.

Diese Modell gibt es in vielen Varianten: Sechs Jahre sparen und das siebte Jahr freinehmen oder 9 Jahre sparen und das zehnte Jahr freinehmen. Je länger deine Ansparphase, desto geringer der Beitrag auf den du jeden Monat verzichten musst. Der Nachteil: du musst erst einige Zeit abwarten bist du genügend Geld beiseite gelegt hast, um deine Auszeit zu nehmen.

Hingegen ist das Besondere an diesem Modell, dass du während deiner Auszeit weiterhin Geld von deinem Arbeitgeber erhältst. Du bleibst angestellt, ebenso sozialversichert. Über Rente, gesetzliche Krankenversicherung und Co. musst du dir keine Gedanken machen. Diese werden normal weiter bezahlt – zur Hälfte von dir, zur anderen Hälfte von deinem Arbeitgeber, wie du es schon kennst.

Unbezahlter Urlaub:

Du wirst unbezahlt von deiner Arbeit freigestellt. Während deiner Auszeit beziehst du kein Geld und bist nicht mehr über deinen Arbeitgeber sozialversichert. Das bedeutet du kannst freiwillig in die Rente, solltest in die gesetzliche Krankenversicherung und eventuell in die Pflegeversicherung und Unfallversicherung einzahlen.

Mein Tipp: Lass dir eine Anwartschaft bei deiner Krankenkasse geben, dann kannst du nach deiner
Auszeit problemlos zurück in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln.

Der Vorteil: du kannst deine Auszeit ohne Wartezeiten nehmen (sofern dein Chef einverstanden ist), so musst du nicht zwei Jahre auf dein Sabbatical warten und ggf. ansparen.

Der Nachteil: du beziehst während deiner Auszeit kein Gehalt und musst vorab genügend Geld beiseite gelegt haben oder unterwegs arbeiten.

Die drei größten Ängste, die von einer Auszeit vom Job abhalten

Ich persönlich habe Angst, dass ich nach meiner Auszeit nicht meinen Standort wechseln kann. Theoretisch ist es mir zu gesichert, aber wer weiß schon, was in einem Jahr eine mündliche Zusicherung bedeutet.

Vielleicht geht es dir ähnlich und du hast auch Angst, durch dein Sabbatical einen Karriereknick zu bekommen oder nicht befördert zu werden. Diese Ängste sind menschlich und ich denke in jedem von uns schlummert ab und zu ein kleiner Angsthase.

Trotz all der Ängste, hoffe ich, dass du dir deinen Traum von einer Weltreise bzw. einer längeren Pause vom Job, Roatrip durch Australien oder Safaritour in Afrika erfüllst. Um dich zu unterstützen, möchte ich dir jetzt zwei der häufigsten Ängste nehmen.


„Mein Chef sagt sowieso nein“

Die endgültige Entscheidung über dein Sabbatical trifft dein Chef. Du hast keinen rechtlichen Anspruch auf eine Pause vom Job. Überzeuge deinen Chef durch die Vorteile die er von deiner Auszeit hat. Fange bloß nicht davon an über dich zu reden: ich, ich, ich… Ehrlich: die meisten Chefs interessieren sich nicht für dich. Sie wollen, dass ihre Firma wächst und weiter kommt. Und ja, mit deiner Auszeit unterstützt du sie dabei!

  1. Nimm deine Auszeit z.B. in einer auftragsarmen Zeit. Angenommen du arbeitest in einer Sauna, es wird
    dir kein Mensch im Winter freigeben wollen. Aber im Sommer gehen weniger Leute in die Sauna und einer Auszeit steht nichts im Wege. Deinem Chef kommt es zugute: er muss dich nicht bezahlen, obwohl keine Arbeit da ist.
  2. Der Ruf deines Chefs verbessert sich. Engagierte Nachwuchskräfte sind immer schwerer zu finden und können sich jetzt ihren Arbeitgeber aussuchen. Wer die Wahl hat, bewirbt sich bei Unternehmen, die flexibel auf die Wünsche ihrer Mitarbeiter eingehen und Auszeiten ermöglichen.
  3. Der gute Ruf steigt aber nicht nur außerhalb, sondern auch intern. Nicht jeder will ein Sabbatical
    machen, aber es ist ein super Gefühl es zu können, wenn man denn wollte.
  4. Arbeitest du in einem globalen Unternehmen und hast Kontakt mit ausländischen Kunden? Dein
    Englisch wird bei einer Weltreise verbessert und vielleicht lernst du noch eine weitere Sprache: Spanisch, Thai oder Chinesisch. Biete deinen Chef an nach deiner Rückkehr alle fremdsprachigen Kunden zu übernehmen, und mache ihm klar wie du sie besser betreuen kannst, sodass mehr Umsatz generiert werden kann.

„Ich hab doch nicht im Lotto gewonnen“

„Das kann ich mir nicht leisten.“ – Doch das kannst du, auch ohne im Lotto zu gewinnen. Du brauchst nur einen eisernen Willen und musst dich ab und an etwas einschränken. Aber keine Sorge, alles ist halb so wild.

Mein Tipp: Eröffne ein separates Konto, in dem du all dein Erspartes einzahlst. Dieses Konto fasst du niemals an und bezahlst auch keine Rechnungen damit.

  1. Nimm nach Möglichkeit einen Zweitjob an und überweise deinen Verdienst in das separate Konto. So steigt deine Reisekasse. Jobmöglichkeiten gibt es viele: Zeitung austragen, Barkeeper in einer Kneipe, Kellner,  Pizzafahrer oder selbstständige Tätigkeiten.
  2. Prüfe alle deine Verträge: Strom, Fitnessstudio, Versicherungen und Handy. Kündige, was du nicht unbedingt brauchst. Vergleiche deine Verträge und such dir den günstigsten Anbieter. Die Ersparnis zahlst du monatlich in dein separates Konto ein. So wächst deine Reisebudget von Monat zu Monat. Das gilt auch für dein Auto – checke ob du es verkaufen kannst und lieber auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigst.
  3. Führe ein Haushaltsbuch und schreibe ALLE Ausgaben auf. Finde deine höchsten Kosten: sind es Essen, Party, Kinobesuche oder Sport? Prüfe wo es Sparmöglichkeiten gibt und zahle auch diese in das extra Konto ein. Schon nach kurzer Zeit wird sich eine hohe Summer auf deinem Konto angespart haben.

Schritt für Schritt zum Sabbatical

Eine Auszeit vom Job zu planen, sieht auf den ersten Blick nach viel Arbeit aus. Ist es auch. Jede menge Fragen müssen vorab geklärt werden: Was ist mit meiner Rente? Was ist wenn meine Karriere unter der Auszeit leidet? Kann ich alleine als Frau reisen und was ist mit meiner Krankenversicherung?

Mit diesem Problemen stehst du nicht alleine da. Ich war auch mit ihnen konfrontiert und bin es
noch. Vielleicht finden wir zusammen einen Weg künftigen Sabbatical-Nehmern mehr Struktur mitzugeben? 🙂


Lydia ist seit Juni auf Weltreise und hat selbst bei ihrer Arbeit ein Sabbatical beantragt und genehmigt bekommen. Auf dem Plan hat sie Afrika, Australien und ???. Begleite Lydia auf ihrer Reise und lass dich selbst zu einer Auszeit vom Job motivieren. Tipps zur Planung deines Sabbaticals findest du auf ihrem Blog On a journey und in ihrem
kostenlosen Kurs.

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2Kommentare

2 Kommentare

  1. Lorelai

    Beim klassischen Sabbatical-Jahr, wie das einige kennen, behalt der Arbeitgeber einen Teil des Gehaltes, welches er dann im Sabbatical-Jahr auszahlt. Andere wiederum meinen mit dem Begriff Sabbatical, selbstandig zu sparen und dann seinen Job zu kundigen, um eine langere Auszeit zu nehmen.

    Antworten
    • Anna

      Hallo Lorelai,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, inwieweit ein Sabbatical vom Arbeitgeber unterstützt wird. Das hat oft tarifliche Gründe oder hängt von der Größe des Unternehmens ab.
      Beste Grüße
      Anna

      Antworten

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