Warum dein nächster Winterurlaub in die Slowakei gehen sollte

21. Dezember 2015

von Anna

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Du denkst dir jetzt bestimmt, wieso denn die Slowakei? Die meisten verbringen ihren Winterurlaub in den bekannten Skigebieten in Österreich, der Schweiz oder in Italien. Aber ich sage dir, auch die Gebiete in Tschechien, Polen (wie ich schon einmal berichtete) und eben solche in der Slowakei sind eine Reise wert. Und – welch Wunder – echt günstig!

Bunte Häuser in den Stadtkernen der Slowakei

In der Slowakei mag man es gerne bunt. Babyblau und Rosa sind besonders beliebt als Farbe der Hauswände

Slowakei – Tatra, Kežmarok, Košice, Poprad und deftiges Essen

Im November war ich für ein paar Tage in der Slowakei, genauer gesagt im Osten des Landes, denn ich wurde zu einem Geburtstag eingeladen, der ein wenig traditioneller gefeiert werden sollte. Ist schon ganz praktisch, wenn die Cousine mit einem Slowaken verheiratet ist und der einem gerne seine Heimat zeigt. 🙂 Natürlich war ich nicht allein unterwegs. Wie bei vielen Kurzreisen war auch dieses Mal mein Freund dabei. Ich habe dir von dort ein paar Tipps mitgebracht. Los geht’s.

1. Wintersport und Wandergebiet in der Tatra

Die Tatra bietet eine hervorragende Alternative für Skisport Begeisterte und auch Wanderer, die mal eine neue Gegend sehen wollen. Egal ob Abfahrt oder Langlauf, alles ist möglich in diesem Bergmassiv. Die Tatra gehört übrigens zu den Karpaten, die man aus Rumänien kennt. Manche Berge sind bis zu 2000m hoch, also so hoch, dass du bei schlechtem Wetter den Gipfel gar nicht sehen kannst. Aber bei gutem Wetter sollen sie dir eine wunderschöne Aussicht bieten. So wurde es mir gesagt. Leider war es nicht so klar in den Tagen, als ich in der Slowakei war, sodass ich mir kein eigenes Bild machen konnte. Schade war’s, denn am Abreisetag schien so richtig schön die Sonne und es war wunderbar kalt…

Hrebienok ist Ausgangsort für viele Wander-und Kletterrouten

Hrebienok – von hier gibt es etliche Routen zu entdecken

Zurück zum Ski fahren oder wandern.  Wir sind ins Skigebiet rund um die Stadt Vysoke Tatry gefahren. Zu dieser Stadt gehört auch das touristische Zentrum Stary Smokovec in der hohen Tatra. Von hier sind wir mit  der Standseilbahn zum Ausgangspunkt Hrebienok gefahren. Von diesem Punkt aus gibt es etliche Wanderrouten auszuprobieren oder man macht eine Bergtour. Hrebienok liegt bereits auf einer Höhe von 1285m. Aber du kannst noch weiter bis zum Gipfel des Berges Slavkovský štít klettern. Noch eine Sportart, für die die Slowakei perfekt ist. 🙂 Wir wanderten von Hrebienok aus zu den Kaltwasserfällen (Vodopady). Es schneite übrigens, ich hatte also im Gegensatz zu den Daheimgebliebenen den ersten Schnee in der Hand. Das war einfach klasse und die Luft war so herrlich frisch! Es tat mir unheimlich gut diese Winterluft zu spüren, wo ich doch jobbedingt und aufgrund des Pendelns viel zu selten nach draußen komme. Das Quellwasser der Vodopady ist ca. um die 4°C kalt und kommt aus dem Gletschergebirge der Hohen Tatra.

Die Kaltwasserfälle in der Nähe von Hrebienok

Die Vodopady (Wasserfälle) aus dem Gletschergebirge der Hohen Tatra

2. Wildnis und Natur – abseits von üblichen Touristenhochburgen

Die Tatra ist ein Traum von Ruhe, Entspannung und Natur. Es gibt immer noch Menschen, die in Berghütten leben und vielleicht hier und da Wanderer oder Kletterer beherbergen. Diese Hütten können nicht mit einem Auto erreicht werden. Deswegen gibt es in der Region auch immer noch Bergträger (ja tatsächlich, die gibt es noch!). Sie tragen Lasten von 100 – 150kg nach oben. Und das zu ähnlichen Höhen auf der wir eine kleine Wanderung machten. So werden die Bewohner in den abgelegenen Berghütten versorgt. Kannst du dir das vorstellen?

Der Grund dafür, dass es keine Wege für Autos oder andere Vehikel gibt, ist das Naturschutzgebiet. Die Wildnis in der Tatra Region wird geschützt, deswegen erfolgt auch kein Ausbau der Infrastruktur.

Ich habe während meines Aufenthalts in der Slowakei richtig Lust bekommen eine Wandertour in den Bergen zu machen. Aber dafür muss ich noch ein bisschen üben und wieder mehr Kraft bekommen. In einsamen Hütten zu schlafen und einmal ganz offline Urlaub zu machen, das würde mich allerdings sehr reizen. Falls ich dich bereits zu einer Tour in die slowakische Tatra überzeugen konnte und du gerne in Berghütten absteigen möchtest, dann hilft dir Jo’s Hüttenliste weiter.

3. Kežmarok, Poprad und Košice – Perlen der Ostslowakei

Im Osten der Slowakei ist eigentlich nicht viel los, die Industrie hat sich rund um Bratislava angesiedelt. Auf den Tourismus bezogen: die Region Tatry ist also nicht so von ausländischen Touristen überrannt. Diese Region um die Städte Kežmarok, Poprad und Košice ist recht deutschgeprägt. Ich fand es erstaunlich wie viele Leute mich verstanden und auch Deutsch sprechen konnten.

Burg in Kežmarok

Die Burg (Hrad) in Kežmarok ist noch sehr gut erhalten

Kežmarok heißt im deutschen Käsemark. Nach einem Exkurs in die Geschichte der Stadt, wundert es kaum, wieso sogar noch Deutsch in Schulen gelehrt wird. Die Stadt wurde im 13. Jahrhundert durch einen Zusammenschluss eines slowakischen Fischerdorfs, einer ungarischen Grenzwache und einer deutschen Siedlung gegründet. Bis 1944 machten Deutsche ein Drittel der Bevölkerung aus. Heute hat Käsemark ca. 17.000 Einwohner. Sehenswert ist die Hrad (Stadtburg, spätgotisch), die man auch besichtigen kann. Außerdem solltest du dir die evangelische Holzkirche anschauen, die den Grundriss eines griechischen Kreuzes hat (war mir gar nicht so aufgefallen). Man bedenke, sie wurde 1717 wirklich nur aus Holzbalken gebaut und zum Schluss verputzt.

Die Holzkirche in Kezmarok

Die Holzkirche von 1717 in Kezmarok

Košice ist eine Stadt mit wunderschönem Zentrum, das mit viel Liebe gepflegt zu sein scheint. Der Dom und das Nationaltheater bilden zusammen mit Fachwerkhäusern und dem Kopfsteinpflaster die Altstadt. Ich fühlte mich an Graz erinnert. Auch Košice hat einen deutschen Namen: Kaschau. Hier leben knapp 240.000 Einwohner. Wichtig ist diese Stadt für dich, wenn du in die Tatra Region fliegen willst, weil hier ein größerer Flughafen ist. Vor allem mit Wien ist er sehr gut verbunden. Wir flogen nämlich von Düsseldorf über Wien nach Košice. Einen Direktflug von Deutschland nach Bratislava gibt es nicht, Stand September 2015 (da haben wir die Flüge gebucht).

Dom von Košice

Der Dom von Košice ist sehr beeindruckend!

Auch Poprad hat einen Flughafen, aber von Deutschland kannst du nicht dorthin fliegen. Poprad wäre auch viel dichter zum Tatra-Touristen-Gebiet. Frag mal deine Großeltern, sie dürften die Stadt unter dem Namen Deutschendorf kennen. Es ist nicht schwer zu erahnen, dass die Stadt historisch ebenfalls von Deutschen geprägt wurde. Ich habe weiter oben geschrieben, dass sich die Industrie rund um Bratislava angesiedelt hat. Ein kleiner Teil ist aber auch in Poprad. Deswegen ist die Stadt ein wichtiger Knotenpunkt für die Industrie und den Fernverkehr, also auch für Touristen nicht uninteressant. Die Innenstadt hat mir im Vergleich zu Košice nicht so gut gefallen. Die Fußgängerzone war auch nur ganz klein. Wenn du in der Gegend bist, dann fahre zur Zipser Burg, die im historischen Gebiet Zips liegt. Sie wurde mir mehrfach empfohlen, war aber wegen Bauarbeiten geschlossen. Ich muss einfach noch einmal dorthin. 🙂

4. Beim Essen darf es gern deftig sein

Eins muss ich dir klipp und klar sagen, als Vegetarier brauchst du nicht in die Slowakei zu reisen, vor allem nicht in die ländlichen Regionen oder eben in die Touristen Orte in der Tatra. Man kennt dort fleischlos einfach nicht. Es wird sehr deftig gegessen. Die traditionellen Gerichte sind den unseren gar nicht so unähnlich. Ein paar Besonderheiten gibt es aber dennoch:

  • Weißbrotknödel. Knödel habe ich noch nie gegessen, da traue ich mich einfach nicht heran. Die Weißknödel sehen aus wie Brot, dachte ich die ganze Zeit. Und dann erfuhr ich, es ist Brot, eben nur gegart und nicht gebacken. Daraufhin habe ich mich sehr geärgert sie nicht probiert zu haben.
  • Borschtsch/Boršč/Barszcz. Die traditionelle Suppe aus dem Osten mit Rote Beete, Weißkohl, Karotten, Kartoffeln, Tomaten und Rindfleisch, garniert mit einer Crème fraiche Haube. Gleich zweimal habe ich sie genossen. In dieser Variante stellt sie eine super Mahlzeit dar.
  • Pierorgi. Diese Teigtaschen kenne ich bereits aus Polen. Sie können mit etwas Süßem oder mit Kartoffeln, Speck, Gehacktes, Spinat oder Pilze gefüllt sein. Über die Zubereitung und Füllung streitet man sich in den slawischen Ländern und Russland.
  • Palarcinki. Das sind eine Art Pfannkuchen, aber nicht so süß, man isst sie anscheinend wie Kartoffeln, also als Beilage zum Fleisch (zum Beispiel gefüllte Ente). Für mich passte das nicht zusammen und deswegen habe ich mich da auch nicht herangetraut. 🙂
  • Knoblauchsuppe/Knoblauchkäse. Man hat offensichtlich Angst vor Vampiren. In die Knoblauchsuppe, die ich eigentlich probieren wollte, wurde ein rohes Ei hineingehauen. Ein absolutes No-Go für mich, weil ich so viel Ekel vor Eiern habe. Knoblauchkäse bekommst du passenderweise in Käsemark, also Kežmarok, bei jedem Einzelhändler.
Penzion Reštaurácia u Jakuba

Penzion Reštaurácia u Jakuba

Du kannst es dir in der Slowakei gut und gerne leisten viel auswärts essen zu gehen, wenn du dort Urlaub machst. Denn Essen gehen ist absolut nicht teuer. Für eine Borschtsch bezahlst du vielleicht 2€. Da kann man sich nicht beschweren. Auch die Unterkünfte sind absolut bezahlbar. Eine Nacht mit Frühstück kostete 34 € in der Penzion Reštaurácia u Jakuba in Kežmarok.

Slowakei – gar keine schlechte Idee oder?

Ich muss ehrlich gesagt gestehen, dass ich die Slowakei nicht wirklich auf dem Zettel hatte, die Reise dorthin war ganz spontan und eben wegen einem Geburtstag. Aber ich muss sagen: auf so eine richtige Berg- und Wandertour in der Tatra hätte ich auf jeden Fall Lust und durch die Nähe zu Tschechien, Polen, Ungarn, Österreich und der Ukraine ist die Ostslowakei oder generell das Land, für einen Roadtrip absolut attraktiv. Versuch es doch einmal mit einer Kurzreise dorthin. Und wenn dich diese vier Gründe noch nicht überzeugt haben, dann schau doch einmal bei meiner Reisekolumne der Ems Vechte News vorbei. Dort habe ich dir auch noch einige Gründe für einen Winterurlaub oder eine Kurzreise in die Slowakei aufgelistet.

Welche Reise hast du noch in völlig untypische Gegenden gemacht?

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2Kommentare

2 Kommentare

  1. Anna

    An die Slowakei habe ich auch schöne Erinnerungen: Ich bin von Wien für einen Tag nach Bratislava gefahren und habe mir in aller Ruhe die Stadt angeschaut. Wenn es sich ergibt würde ich auch gerne mehr vom Land sehen. Schöner Artikel!

    Herzlich,
    Anna

    Antworten
    • Anna

      Hallo meine Namensvetterin ?
      Ich habe auch gehört, dass es von Wien nach Bratislava quasi kein Weg ist.
      Wenn es passt und du Natur und Berge magst, dann fahre unbedingt einmal ins Tatra Gebirge.
      Viele liebe Grüße
      Anna immer unterwegs

      Antworten

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